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Sachbuch: Psychologie und der Knick in der Logik ..
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"Die Illusion zu wissen - Was hinter unseren Irrtümern steckt"
Massimo Piatelli-Palarini,
Rowohlt Verlag,
ISBN 3 499 60136 2
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Vielen ist mit Sicherheit das Phänomen von optischen Täuschungen bekannt:
Das klassische Beispiel der zwei Linien, wo am Ende der Linie die Pfeilspitzen einmal spitz und einmal geöffnet ansetzen, wobei uns im ersten Fall die Linie kürzer, im zweiten jedoch länger erscheint. Auch nach mehrmaligem Nachmessen und der Bestätigung, dass beide gleichlang sind, bleibt unser Eindruck der Täuschung weiterhin bestehen.
Analog existieren nun psychologische Mechanismen, die jedoch keine Täuschung der optischen Wahrnehmung beinhalten, sondern unser Denken selbst betreffen: Landläufig würden wir dieses als einen "Knick in der Logik" bezeichnen. In vorliegender Buchvorlage von Palarini werden diese kognitiven Täuschungen als "Entscheidungen in unsicheren Situationen" oder kurz "mentale Tunnel" bezeichnet. Wem das etwas trocken und ein wenig abstrakt erscheint - hier ein kleines Beispiel:
Frage: Rom oder New York - welche Stadt liegt südlicher? Während die meisten nun intuitiv mit "Rom" antworten würden, liegt tatsächlich New York dichter am 40. Breitengrad Richtung Äquator und damit südlicher.
Dies ist eines von vielen möglichen Beispielen, die belegen, dass und wie wir aufgrund von Erfahrungen zu einer uns unbekannten Sachlage quasi improvisieren. Aufgrund von Assoziationen konstruieren wir uns unbewusst einen Lösungsweg. Das Faszinierende: Wir sind uns dieser Lösung sogar noch erstaunlich sicher! Da wir keinen Atlas zur Hand haben, setzen wir in unserem Beispiel "südlich" gleich "klimatisch wärmer, sonniger" und damit ist es nur
selbstverständlich, dass Rom südlicher liegt. Es war aber nach südlicher und nicht nach "tropischer" gefragt. Selbst nach Bekanntgabe der Antwort sind wir innerlich immer noch von der Richtigkeit unserer Antwort überzeugt (zugegeben: ich habe auch extra nochmal im Atlas nachgeschaut :o). Auch dies ein Charakteristikum der mentalen Tunnel, den "kognitiven Abkürzungen zur Entscheidung".
Unterschieden werden derzeit nun sieben Typen dieser Tunnel, die sich aufgrund ihrer Mechanismen abgrenzen lassen und in eigenen Kapiteln werden diese Punkte auch im vorliegenden Buchtext recht ausführlich und anhand von Beispielen abgehandelt. Leider stammt der Autor jedoch selber aus eben diesem wissenschaftlichen Fachbereich, was die Lektüre über weite Bereiche recht trocken erscheinen lässt. Als Fachmann neigt der Autor zur Perfektion vor Kollegen, was ihn zu exakten Aussagen zwingt, die jedoch für den aussenstehenden Leser wenn auch nicht unbedingt verwirrend, so doch auf weite Strecken den Inhalt zäher erscheinen lassen als nötig.
Die inhaltlichen Kerne sind es jedoch, die mir auch im Nachhinein haften geblieben und zugegebenermassen recht starken Eindruck gemacht haben: Unser Denken ist doch nicht ganz so autonom geradlinig, wie wir uns das gelegentlich vorstellen ..
Das Phänomen der effektiven Täuschung unseres Denkens sollte uns klar machen, dass wir eben dieses Denken mehr als nur gelegentlich überprüfen sollten. Denn natürlich öffnet das Verständnis der Mechanismen der Manipulation Tor und Tür. Da das Resultat jedoch für uns in der Regel so überzeugend ist, dass wir es eben nicht mehr hinterfragen, sollten wir uns darauf konzentrieren die Wege zu erkennen, auf denen wir manipuliert werden.
Es würde an dieser Stelle zu weit führen sämtliche Tunnel zu benennen - für diesen Zweck wäre die Lektüre des Buches zu empfehlen.
Es gab jedoch einige Mechanismen, die mich persönlich ganz besonders ansprachen, da sie mir seitdem auch des öfteren in Anwendung wieder begegnet sind. Zunächst möchte ich dabei kurz das Prinzip der "Verankerung" ansprechen. Im Buch wird dazu auf ein Beispiel aus dem Golfkrieg zurückgegriffen, da es auch gleichzeitig die Anwendung veranschaulicht: Die Angaben zu gefallenen Irakern wurden mit 2-3 (!) beziffert. Später wurde irgendwann beiläufig mitgeteilt, dass es doch zehntausend waren. Aber was haften blieb, war der Anfangseindruck: "Nur ein paar .." Selbiges wird identisch gehandhabt bei havarierten Öltankern und deren ausgelaufener Ölmenge bis hin zu eher abstrakten Zuschreibungen, bis hin zur Nachrede und Verleumdung, und ich denke einem jeden ist das Sprichwort "kein Rauch ohne Feuer" hinlänglich bekannt.
Ebenfalls interessant ist der "Tunnel der Eingängigkeit": Während ein Einzelereignis vielleicht recht unwahrscheinlich erscheint, so empfinden wir es anders, wenn dieses Ereignis in eine zeitliche oder kausale Kette eingebunden wird. Ok, ein beispiel aus dem Buch ..
Frage: Wie wahrscheinlich ist es, dass US-Truppen in Polen einrücken? SEHR unwahrscheinlich wäre wohl die Antwort. Dann einmal mit Vorgeschichte: Der Papst wird in Warschau verhaftet. Diplomatie bleibt auf der Strecke. Es kommt zu lokalen Aufständen. Nochmal die Frage: Wie wahrscheinlich ist es, dass US-Truppen ...
Diesmal dürfte die Antwort etwas anders ausschauen: Wahrscheinlicher nämlich. Und warum? Die Ereignisse in dem Szenario sind ebenfalls fiktiv und unwarscheinlich, aber: Sie machen uns das Ganze plausibler, eingängiger und das setzen wir in unserem Tunnel gleich mit Wahrscheinlichkeiten. Das ist der Grund, warum dieses Prinzip auch so gerne in der politischen Rhetorik Anwendung findet: Mit Hilfe einer in sich stimmigen Geschichte bin ich in der Lage, den Gegenüber über die offensichtlichsten (Un)Wahrscheinlichkeiten hinwegzutäuschen.
Übrigens: Ich selber habe es mir inzwischen fast schon zu einem kleinen Spielchen gemacht, in Diskussions- und Talkrunden, sowie x-beliebige Medienbeiträgen, einmal auf diese kleinen Geschichten und angewandten Tunnel zu achten: Kaum zu glauben - aber wahr ..
sie sind immer und überall !
by fml
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