Von der Notwendigkeit eines neuen Mediums

Vielen von uns ist mit Sicherheit der Ausspruch "Dieses ganze neumodische Zeug, früher ging es doch auch ohne!..." mehr als nur einmal über den Weg gelaufen; sei es nun in Bezug auf Anrufbeantworter, Handys oder neuerdings auch bzgl. Internet. Dass diese Weisheit einen wahren Kern haben mag, ist nicht zu leugnen, schließlich ist die menschliche Kultur bereits Jahrtausende alt.
Worauf ich jedoch hinaus möchte ist die Tatsache, dass das Gebilde "Internet" strukturbedingt eine völlig neue Qualität von Kommunikationswegen erschafft, die der Grössenordnung eines Quantensprunges entspricht: Es geht nicht darum, dass mehr Information bewegt wird (schneller, kostengünstiger, global usw.) sondern - und das ist das Entscheidende: Sie fließt vollkommen anders.
Dieses zu verstehen bedeutet, auch das Internet zu verstehen und was es zu unserer Kultur beitragen kann.

Die etablierten Kommunikationswege sind analog unserer Gesellschaftspyramide hierarchisch strukturiert, d.h. Information wird durch die Printmedien, TV, Radio linear von oben an die breite Basis ausgestreut. Insofern verharrt der Informationsnehmer in einer passiven Rolle.
Anders im Internet: Wie der Begriff "Netz" bereits nahelegt, haben wir hier eine planare Struktur mit gelegentlichen Knotenpunkten, der Informationsfluss ist wechselseitig und vor allem muß der Internet-Nutzer die gewünschte Information aktiv, gezielt suchen. Allerdings steht ihm nun aber auch prinzipiell das gesamte Wissen der Menschheit zur Verfügung.
Ebenso revolutionär verhält es sich im umgekehrten Fall: Nahezu jeder kann nun auch jede beliebige Information der gesamten Menschheit verfügbar machen. Die selektive Zensur der herkömmlichen Kommunikationswege wird unterlaufen.

Meine eigenen Erfahrungswerte als freischaffender Künstler sind im konkreten Zusammenhang geradezu exemplarisch: Ich weiss nicht, ob dem Durchnittsbürger oder selbst dem Kunstinteressierten überhaupt klar ist, mit welchen Problemen der Kunstschaffende zu kämpfen hat; für mich war eines der grössten Probleme die Zensur durch die Kunst selber.
Als Quereinsteiger habe ich ein naturwissenschaftliches Diplom jedoch keine Kunstakademie absolviert, insofern niemandes Schüler. Nicht konform mit Moderner Kunst - dementsprechend für den Kunstbetrieb nicht existent und somit war mir auch die gesamte Infrastruktur des Kunstmarktes verwehrt (In diesem Zusammenhang ist es völlig belanglos was ich überhaupt mache; aus diesem Grunde unterbleiben auch sämtliche Links zu meinen Arbeiten).
Kunstgalerien stellen sowas nicht aus, hat man dann selber Ausstellungsmöglichkeiten gefunden berichtet die Presse nicht über eine Ausstellung solcher Bilder und schon ist die Ausstellung vorbei, ohne dass sie jemand wahrgenommen hat. Das Schlimme dabei: Hilflosigkeit bis zur Wut.
Zum einen waren die Menschen, die zufällig über die Arbeiten gestolpert sind, begeistert. Gleichzeitig hast du aber überhaupt keine Möglichkeit sie einer grösseren Zahl von Menschen näher zu bringen. Dabei steht der kommerzielle Aspekt dabei völlig im Hintergrund: Als Künstler willst du etwas aus deinem Kopf heraus fixieren und an andere Menschen weitergeben; als Denkanstoss, Hilfe, Idee, zur Unterhaltung ... Doch was tun, wenn genau dies nicht möglich ist?
Um noch einmal das obige Modell zu zitieren: In der etablierten Kommunikationspyramide läuft jede Information über die Spitze. Wird sie nicht nach unten weitergeleitet, ist Informationsfluss im Basisbereich nicht existent.

Kann sich nun jemand vorstellen, welche Bedeutung da das Internet plötzlich hat: Mit vergleichsweise geringem Aufwand und Kosten sind meine Arbeiten via Homepage prinzipiell weltweit verfügbar. Mittels Stichwortsuche, zentralen Link-Pools oder "Chat-Propaganda" kann ich nahezu jeden Interessierten mit meinen Arbeiten erreichen. Allein dieses Gefühl ist für mich persönlich mehr wert als Gold und Geld - unabhängig von den tatsächlichen Zugriffszahlen.

Um dieses Potential des Netzes Internet voll auszuschöpfen halte ich genau deshalb die Instrumente zur aktiven Suche nach Information für von herausragender Bedeutung: Im Endeffekt sind es die Suchmaschinen, die einem die tatsächliche Freie Information gewährleisten können.
Ausbau und Schutz dieser essentiellen Komponenten werden zukünftig mit darüber entscheiden, ob das Internet in der Lage sein wird, ein neues Zeitalter der Kommunikation und Information einzuleiten.

Frank-M. Lewecke
Nürnberg, den 03.09.99

 
© 2001 by Initiative Webart e.V., All rights reserved
Connectivity by: Netdiscounter.de